Einmalige Walderlebnisse
Untertitel hier eingeben




Wer die Ruhe nicht im  W a l d  findet, 

wird sie woanders vergeblich suchen


DAS  WALDVIERTEL   ist  ein landschaftliches  Eldorado, das  es  auch aus  touristischer Sicht  verdient, verkehrsmäßig  besser  erschlossen zu   werden, denn vor allem  die  Urlauber,  wel-che über die westlichen  Nachbarländer  anreisen,  sind  bei  ihrer  Anfahrt  die letzten  25 bis 40 Kilometer mit  "ungewohnt veralteten"  Straßen  konfrontiert. Jene, echte Ruhe- und Erho-lungssuchenden, die  trotzdem - ob  aus  Neugier  oder  Erfahrung - Sehnsucht  nach diesem einmaligen  "Refugium  der  Stille"  haben,  sind  rund eine halbe Stunden vor ihrem Ziel  mit  einer  urtümlichen  und  kurvenreichen Asphalt - Fahrbahn  konfrontiert.  Als  Entschädigung dafür  erwartet  die  Besucher  bei  ihrer Ankunft  eine unverfälschte hügelige und  sehr stim-mungsvolle Gegend, die mit  ihrem  zurückhaltenden  Zauber,  dem  Gast  n i c h t  gleich  im ersten Moment vereinnahmt und jedem "stürmisch um den Hals fällt", sondern vom Fremden buchstäblich  "schrittweise"  entdeckt  werden  will.  So  lernen  die meisten Gäste  das  Land  nach  einigen  Tagen  erst  wahrlich  kennen, wenn sie beim gemächlichen Wandern inmitten bunter Wiesen, entlang blühender Felder sowie im allgegenwärtigen Nadelwald, vom Wald-viertler-Land inspiriert  werden und mit ihm bald in einem vertrauten Einklang stehen.                 AUCH DIE  kostbaren Geschenke der Natur und deren therapeutischen Einwirkungen in einer  traumhaften Gegend wollen "entdeckt" werden. Nur so einfach, wie sich das - ein noch im All-tag des Berufslebens verhedderter  Großstädter  (den wir bei seinem ersten Ausgang in Rich-tung  immergrünen  Forst  inkognito  begleitenwollen )  -  vorgestellt   hat,  ist  dieses   Unter-fangen  nicht.  Denn der  Erholungssuchende würdigt in seiner Hektik ein munter  quirlendes  Bächlein  auf  der rechten Seite seines Weges ebensowenig,  wie den anmutigen kleinen Mischwald auf einer Anhöhe zur linken Hand.

Ebenso  schenkt  er  den am Rande dieses Haines  "Block auf Block" von  den  Elementen  gi-gantisch aufgeschichteten - und so geradezu  "ins  Auge springenden" -  hohen  Granitforma-tionen,  infol ge  seiner noch  betrieblichen  Abhängigkeit, keinen Blick:  "Habe ich der Sekre-tärin gesagt, dass Günter Ressl (ein LKW-Chauffeur) am Mittwoch vom Krankenstand zurück-kommt und für eine Fahrt nach Saarbrücken eingeteilt  ist?"  Ein  Rabe, auf dem  Wipfel  einer knorrigen Saumfichte des inzwischen  erreichten,  angestrebten  Nadelwaldes, entbindet  mit  seinem  lauten  "Kra-Kra"  den Wanderer einer Antwort auf die an sich selbst gerichtete Frage. "Soll das die Begrüßung  zum  Eintritt  in  den  Wald  sein?"  ruft  der  Gestresste  zur  eigenen  Verwunderung über seine spontane  Reaktion  auf  das  Krächzen des schwarzen Gesellen in dessen Richtung. Der Rabenvogel  scheint  jedoch  an einem  "Gespräch"   mit dem  "Erdmen-schen" nicht  besonders interessiert  zu  sein,  denn er schwingt  nach  diesem  Zuruf die Flüg-el und flattert - verfolgt von  den Blicken des  Erholungssuchenden  -  über  die  unter  ihm lie-genden Kartoffeläcker durch die  Luft, bis  er nach einigen hundert  Metern auf  einer kleinen Wiese landet. Der Urlauber  setzt  seinen  Weg in die andere Richtung fort. Im Wald  fällt  ihm auf, dass  der Weg  hier  etwas  holpriger  ist.  "Aber  das  passt  schon  -  herrlich ruhig  ist  es  hier !" -  stellt  er  erfreut  fest  und  nimmt  sich  gleichzeitig  vor, nicht  mehr  über  zu Hause nachzusinnen, sondern  überlegt, wie  er und seine Frau die kommenden drei  Wochen in die-ser  -  w a s  ihm  inwischen langsam dämmert  -  "zauberhaft einsamen Gegend"  verbringen werden :



Viel Spazierengehen, Naturwunder aufspüren, Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten im ganz  Um-kreis  machen   (Im  Quartier  liegt  ein  Prospekt  mit  dem  Titel:  "Das Waldviertel  vom  Mai-baumaufstellen - Burgen, Schlösser und Klöster... -  bis zum Oktoberfest"  auf,  das  auch  ein umfangreiches  Veranstaltungsangebot enthält. Diese Broschüre kann  ihm  und  seiner Frau  als  wertvolle  Hilfe  für  ihren  "Alternativurlaub"  dienen.  (Die "gestylten", lauten Massenver-sammlungen,  der  bisherigen Urlaube, sind inzwischen vergessen... )  Nach etwa 300 Schrit-ten  verlässt  der  die Abgeschiedenheit  Suchende  den Waldweg und  wandelt wahllos zwi-schen den Bäumen herum. Zehn Minuten später trifft er auf einen etwa kniehohen  Ameisen-haufen, auf dem offenbar ein konfuses Durcheinander herrscht. Trotzdem sieht er dem emsi-gen Treiben interessiert zu und muss nach  langem  Beobachten  des  anscheinenden "Wirr-warrs"  feststellen,  dass  keines   dieser  fleißigen  Tierchen  hier  einen  "unnötigen  Schritt" macht. Jede Bewegung hat ihren Sinn, die im  Detail -  wie er daheim nachlesen  wird  - dem  anspruchsvollen  thermischen Wohnbau  für  den Winter  im  Inneren des Hügels,  der Ernäh-rung,  dem Nachwuchs,  der  Verteidigung  und  anderen  Lebensbelangen  zugutekommt. Er könnte die-sem  planmäßigen  Tun stundenlange  zusehen.  Da  er  jedoch  von  der Wande-rung  mühde  ist,  sucht er nach  einer  Rastmöglichkeit und  verlässt schweren Herzens das Wirkungsfeld der  krabbelnden  Schwerstarbeiter  "Aber  ich  komme  wieder,"  verspricht  er  seinen neuen "Freunden" zum  Abschied.

 V 

  V  

Wald :  Balsam für Leib und Seele

Beim  weiteren  Hineingehen  in  den  Wald  achtet  er  stets  darauf, "seinen"  Weg immer im Auge zu behalten,  um auch wieder heim zu finden. Endlich erblickt  er in einiger Entfernung bei zwei mittleren Buchen einen Baumstrunk zum Niedersitzen.  Er  legt  seinen Pullover auf den Holzstock und setzt sich. Plötzlich sind sie wieder da die Fragen von zu Hause: "Habe ich Oma und den  Kindern gesagt, dass sie "Ronax " (dem Haushund) jeden Tag in der Früh auch einen Napf   voll frischem Wasser hinstellen müssen?" 


Wer nie von seinem Weg abkommt, bleibt auf der Strecke...

  

                                       ***********


Was phantasierte ich da wieder herum, ärgert er sich. So komme ich nie zur Ruhe! Das ist doch alles nur  psychischer Ballast, um das innere ,Freiwerden´ zu verhindern ! - "Weg  ihr  störenden Alltagsprobleme!" -  Aber was war das?  Zwitscherten  hier  Vögel?  Tatsächlich,  das gefiederte Volk führt in den Bäumen anscheinend einen melodischen Dialog. Der "Waldbesucher" schließt die Augen:  Man  sollte  halt  die einzelnen Stimmen zuordnen können:  Buchfink, Amsel, Rotkehl-chen, Meise? Führen sie Liebesgespräche oder geben  sie  ein  Konzert?  In der Ferne hackt ein Specht wie verrückt : Nur die Augen nicht öffnen! "Die gute Luft !"  Denn jetzt nimmt er auch das   das dezente Fluidum der ätherischen Öle und Harze der Atmosphäre und Bäume wahr. Ein woh-liges Gefühl umgibt ihn.  Doch  im  gleichen  Moment  wollte  sich schon wieder eine Angelegen-heit  existenzieller  Natur  einschleichen. Das  empfindet der  gerade dem Trubel entronnen  Ge-glaubte  als unfaire, hinterhältige  "Belästigung" und er drückt  als  Reaktion darauf  die  Augen noch fester zu :  So  ging  das  nicht weiter. Er musste eine Methode finden, wie er die "Welt da draußen" von sich fern halten konnte. Allmählich nimmt eine Idee Formen an: Nichts tun - gar nichts tun!  Und  schon  gar  k e i n e n   H O  S  !   N i c h t   zwanghaft  "Ab-schalten"!  Kein  konzentriertes  Meditieren!   Nicht  gewaltsam  Entspannen!  Sondern:  Mit ge-schlossenen Augen den Gedanken  freien Lauf lassen. Aber auch dieser Versuch scheint  in die falsche Richtung zu gehen : Sein Sinnen kehrt  diesmal  zu  einer "logistischen Angelegenheit"    in der Firma zurück. Mit  diesem  Thema  hat  er jetzt wenig Freude. Doch noch während er sich  "selbstergeben"  fügen will,  führt  ihn  diese betriebliche Szene  gedanklich  zum "geordneten  Werksablauf"  der Ameisen,  was  ihn  mit grosser   Befriedigung  erfüllt.  Nun  dreht  sich  sein  Denken  nur  mehr um die kleinen rührigen Krabbler. Im Geiste sieht er das rastlose Gewusel auf dem aufgebauten Nadelstreu- und Kleinstholzhügel, der in Wahrheit ein  hochorganisiertes "Un-ternehmen" ist. Und, wie verständigen sie sich?  Bei diesem Grübeln überkommt  ihm  eine  ihm  ganz  unbekannte  Entspannung  und  innere Ruhe. Obwohl  er gerne wüsste, wie spät  es  ist, verzichtet er darauf, die Augen zu öffnen und auf  die  Uhr zu schauen :  "Gar - nichts - t u n...!"

INZWISCHEN verleiht ihm das Empfinden, dass alles Existenzielle spürbar in den Hintergrund tritt, ein  befriedigendes,  sicheres  Selbstvertrauen  mit wohliger Gelassenheit. Diese Verfassung und die  zarte, würzige Biosphäre des Waldes mit seiner wissenschaftlich bestätigten Heilkraft  verlei-henden  dem von der  ätherischen  Aura  vereinnahmen  den  "Weltflüchtigen"  immer  mehr und  er  erreicht  einen   wunschlos glücklichen  Zustand,  wobei  sein  ohnehin  schon   gemindertes  Bewusstsein  nach und  nach  immer  mehr  schwindet  und in  einer  erbaulichen, geistigen Däm-merung   mündet,   die   ihn  mit  großer  innerer  Befriedigung  und  Wohlbehagen  erfüllt.  Bis  er schließlich in eine selige "Weltentrückung"  versinkt...

Der laute Ruf eines Falken, der über den Wipfeln seine Runden zieht, stört den "Waldträumer" in seinem  wonnigen  Schlummer.. Er  muss sich erst fassen und kehrt etwas betrübt in die Realität zurück. Sein erster Blick gilt der Uhr: "Da habe ich ja jetzt eine ganze Stunde geschlafen und bin euphorisch  über  den  Wolken  geschwebt",  reagiert er  schließlich völlig gelassen über die Stö-rung  durch  den  Schreihals. "Jedenfalls  war  es ein wunderbares Erlebnis, das mir mit meinem "Gar-nichts-tun"  widerfahren ist",  stellt er - mit  sich und  der Welt im Einklang - fest.  Dabei ist er sicher, dass dieser  einmaligen  Bewusstseinsausschaltung und der damit  verbundenen won- nevollen "Selbstbegegnung"  noch  weitere so zwanglose  "Verinnerlichungen"  folgen  werden.  Auf dem Rückweg  aus dem  Forst fällt ihm auf, dass keine Vogelstimme zu hören ist. (Das "geflü-gelte Volk" ist wegen des feindlichen  Falkens  in Deckung gegangen).  Außerhalb  des  Waldes  bemerkt  er  auf  einem  Wiesenbuckel   mehrere  Krähen,  die  sich  hüpfend  und  krächzend wahrscheinlich  darüber  unterhalten,  wo  es  für ihre  hungrigen  Schnäbel  etwas zu holen gibt.  Überhaupt scheint sich die ganze Gegend hier "verändert zu haben" :  Er  merkt nebenan  einen plätschernden  Bach,  am Waldrand  eines  Hügels  einige  riesengroße  Grantiblöcke,  einzelne  Vögel  und  Schmetterlinge,  von  denen  er  sogar einen  als  "Zitronenfalter"  erkennt. "Warum habe  ich das alles nicht schon am Hinweg  bemerkt",  fragt er sich und  fühlt sich dabei wie neu geboren. Im  Weitergehen entdeckt  er  gegenüber  dem  im  Tal  liegenden  Ort  einen  großen Baumbestand, bei  dem es sich um einen Hochwald  handeln  dürfte. "In  diesem  Forst  werden meine Frau und ich, wenn das Wetter passt,  übermorgen gemeinsam eine  ,Gar - nichts - t u n - Stimulierung´  versuchen",   beschließt  er  froh gestimmt.  Da   seine  "Elvira"  eine  begeisterte Naturfreundin ist, wird sicher mitmachen.

Loslassen-Freiwerden-Regenerieren

ZUHAUSE ERZÄHLT  er  dann  seiner  Frau von seinem  "Traum- Erlebnis"  und sie stimmt gleich  zu, dass sie am Donnerstag (Morgen steht schon ein Museumsbesuch in Eggenburg fest) gemein- sam seine Methode der "Weltdistanzierung und Selbstregerierung" ausprobieren werden.            Entsprechend ausgerüstet, wählen sie dann nach einem Tag, einen etwas ansteigenden Pfad, der eine Abkürzung in Richtung des angestrebten Waldes bildet, um dort einen ruhiges Plätzchen zu finden, wo man seine störenden "Alle-Welt-Gedanken" los werden kann. Auf ihrem Weg genießen sie  bewusst  die  gute  Luft  und  außergewöhnlich  geruhsame  Umwelt mit mehreren blühenden Mohn- sowie zahlreichen Kartoffel- und Flachsfeldern.

GELEGENTLICH  definieren  sie  gemeinsam  Blumen, die entlang des  Weges  wachsen. Beson-ders angetan sind sie auch von einzelnen kleineren Nadelwäldern in "greifbarer" Nähe und dem ebenso  malerischen  Waldpanorama in der Ferne. Entspannt   plauderten  die  beiden nebenbei  über den  gestrigen Besuch im Museum mit einer Sammlung von urzeitlichen Exponaten und Ske-leten  der 300-millionenjährigen Erdgeschichte.  Er:  "So  viele Tausende Jahre Vergangenheit zu dokumentieren, das ist schon imposant und heute"..."Halt, bleib steh´n, Joachim!", unterbricht ihn seine  Frau unerwartet, als  sie  an  einer  Birken- und Föhrengruppe vorbeikommen, in deren Be-reich mehrere  riesengroße Granitsteine  liegen. In vielen Jahren hat sich auf der Oberfläche die-ser  Felsen  eine Schicht  aus Erde,  Streu  und  Nadeln angesammelt.  Dieser  Humus bildet  die spärliche  Grundlage  für  einige  kleinere Birken-und  Nadelholzsprösslinge. Elviras Aufmerksam-keit gilt jedoch besonders den Wurzeln einer etwa drei Mann hohen Föhre, die auf  einer breiten Abstufung des Felsblockes steht.  "Da  schau  dir  das  an !",  sagt  sie zu ihrem Mann und  zeigt auf eine zirka  70  Zentimeter  lange  Wurzel  des Baumes, die  einen selbstständigen Weg über den  Stein  genommen  hat  und  dann in  einer Kluft zwischen zwei Blöcken Richtung Boden ver-schwindet.                                                                                                                                          FÜR DIE  Wanderer ist das ein botanisches Kuriosum: Der eigenwillige Erdtrieb besorgt so  zu-sätzlich  für  den  Baum  Nährstoffe  und  Feuchtigkeit  aus dem Boden. "Wie gibt es das?",  fragt er.  "Wie weiß die Wurzel,  w o  sie  zu Nahrung  und  Wasser kommt?"  Elvira  meint,  dass  der  Grund  dafür  atmosphärisch - hydrologische  und geologische Strahlen  sein  könnten. Worauf  er  erwidert:  "Du  mit  deiner  Wissenschaft  -  für mich ist das ein Wunder !"  Als  Elvira  mit den Worten: "Wahrscheinlich haben wir beide recht !" einlenkt,  bleibt für  die beiden "Entdecker"  le-diglich  die  Erkenntnis, dass  die Natur nicht nur keinen Fehler machen kann, sondern  im  Ver- borgenen  "nebenbei"  außertourliche  "Meisterwerke" vollbringt.  Im  Weitergehen  sind  sie  si-cher, dass  das Waldviertel - wenn beide auf ihre Sinne vertrauen -  für sie noch "einige"  unge-wöhnlicher "Geheimnisse"  bereithält...!   

ALS sie nach einiger Zeit in den angestrebten Wald hineingehen, sind sie zuerst von den vielen hohen Bäumen überrascht.  Im  Stillen hätten sie sich eine etwas "heimeligere" Atmosphäre ge-wünscht. Sie wandern weiter und stellen nach einer Viertelstunde fest, dass die hohen Stämme etwas zurückweichen,  daher  beschließen sie den Waldweg zu verlassen. "Merk´ dir den Weg", sagt die Frau. Er murmelt nur:  "Ja, ja".  Der  Mann  blickt  stets  suchend herum, während sie auf einer  Lichtung  einen Jungwald  entdeckt  hat  und  diesen gezielt anstrebt.. Als auch  Joachim dort eintrifft, hat sie schon das Gelände erkundet und präsentiert es  ihm  begeistert. Tatsächlich scheint  der  Platz  ideal für eine Rast. In  einiger Entfernung  verhindert  eine  steile Anhöhe  mit  einem "Gebirge"  von  efeuumwucherten  und  mit Moos  bedeckten mächtigen Steinen ohnehin  ein  Weiterkommen  in  dieser Richtung. Zwischen  höheren  Bäumen und  dem Jungforst  bietet  eine  kleine  Heidekrautfläche  einen  Platz  zum  Verweilen.  "Das  ist  für uns wie  geschaffen", meint  er und  breitet gleich seine mitgebrachte  Decke auf  einer kleinen Grasfläche neben dem Beerenkraut aus. Die Frau stellt in einiger Entfernung ihren Klapphocker an eine mittelstarke Lär-che und setzt sich  hin, wobei sie den Stamm als "Rückenlehne"  verwendet, da sie weiß, dass im Inneren  des  Baumes  heilsame  Substanzen  strömen,  die  dann  zum  Teil  auch  in  die  Aura  des  Waldes  gelangen. Elvira  wirft  noch  einen  Blick in  Richtung  ihres  Partners, kann ihn aber nicht erblicken. Sie steht nochmals  auf  und da  sieht  sie ihn, "alle Viere von sich  gestreckt"  im Beerenkraut liegen. "Na, um den brauch´ ich mir keine Sorgen zu machen",  sagt  sie  zu  sich  im  Niedersetzen.  Was  hat er gesagt?  Erstens, die  Augen  schließen,  zweitens,  nichts Bewusstes  denken  und  nichts  tun, drittens,  die  Augen geschlossen halten.  Gut,  sie  schließt  die Augen.  (Das  war kein Problem...!)  Aber:  Nichtsdenken  und  Nichtstun, wie soll d a s gehen?  Ihn  kann  sie  jetzt  auch  nicht fragen. Je  mehr  sie sich anstrengt,  nichts  zu denken,  umso  mehr "Dinge"  stürmen  auf  sie  ein. Sie  erinnert  sich  an  die  Tipps  ihres  Mannes:  Nicht  wehren nicht  ge-waltsam alles ausschalten wollen:  "Gar - nichts - tun".   Als  in  der  näheren  Umgebung  eine  Wildtaube  gurrt,  öffnet   sie  kurz  die  Augen.  "Oh  Schreck,  das  darf  nicht  mehr  passieren!" flüstert sie. "Aber  warum  gibt es hier  keine  Vogelstimmen?"  Im  gleichen  Moment erkennt sie, dass sie sich zu wenig an die "Vorgaben" des "Nichts  bewusst  denken - nichts  tun!" hält. Und so nimmt sie sich vor:  Einfach alles geschehen zu  lassen, was bei geschlossenen  Augen kom-men  will. Dabei  hilft  ihr  die  Erkenntnis, "dass  ja  eigentlich  momentan  eh´  nichts  wichtig ist".  An etwas Schönes  denken Aber  da  kommt ihr - zum Trotz-  plötzlich das ärgerliche falsche Abzweigen  mit  dem  Auto  in  den  Sinn,  zu dem sie selbst ihrem Mann auf der Fahrt nach Eg-genburg  ungewollt  verleitet hat. Und wo sie dann  fünf Kilometer in die verkehrte Richtung  ge-fahren sind.  Während  der ganzen Rückfahrt auf  dieser  falschen   Strecke  hat  Joachim  leise vor sich  hingepfiffen :  (Das  war "Tierquälerei",  erinnert sie sich halb belustigt. "Wenn er wenig-stens  ,anständig´  geschimpft hätte...!")  Aber was soll  der  Schmarrn  hier?  Es ist sicher nicht im "Sinne des  Erfinders", wenn ich hier solche Mißgeschicke aufwärme So  ein "negatives Zeug",  kann nicht zum gewünschten  "Ruhigwerden"  führen.  Nach  einer  längeren Weile  des  "In-sich-Hineinhorchens",  wird  sie  tatsächlich  spürbar gleichgültiger.  Ihre  Sinne  werden  jetzt  zu den bemoosten Steinen da vorne gelenkt. "Gut von mir aus". Doch  auch  dafür  nimmt  ihre  Aufmerk-samkeit  bald  wieder  ab. Langsam  bemerkt  sie,  dass sie  eigentlich  gar  nichts richtig interes-siert, sondern  am  liebsten  ihre Ruhe hätte.  Aber  "wie  es halt  immer auch ist". Angenehm em-pfindet sie die  zart harzige Waldluft und die ungewohnte, wohltuende Stille. Nur die Taube gurrt in unregelmäßigen Abständen. Allmählich stellt sich eine  - nicht unerwünschte Gleichgültigkeit  -  ein  und  es  besteht  jetzt  auch  keine  Gefahr  mehr,  dass  sie  die  Augen  willkürlich  öffnet. Das  Letzte, was sie einnickend denkt ist Hier  möchte ich möglichst  l a n g e  sitzen bleibenDas  leise Zwitschern einzelner Vögel geht jetzt schon im Dämmerschlaf unter...

JOACHIM  glaubt  schon Routine zu haben. Aber weit gefehlt ! Als er die Augen schließt, schie-ßen gleichzeitig die  Gedanken ein: Morgen fahren wir  nach  Rappottenstein, wo eine Burgbe-sichtigung geplant ist. Muss ich vorher tanken? - "Nein, so geht das nicht !" Was hat dieses unge-bührliche "Getue" da in diesem Wald verloren?  Indessen hat er ja auch auf "seine  Theorie"  ver-gessen : Gar nichts tun, sich nicht wehren, die Gedanken an "die Welt da draußen nicht einmal ignorieren..."  Das Empfinden, dass es momentan nichts Sinnvolleres gibt, als  jetzt hier zu liegen, verleiht ihm eine große innere Genugtuung.  Als sich schließlich  noch  "seine"  Ameisen "ein-schleichen",  nimmt alles seinen gewohnten Lauf...

ELVIRA erwacht  nach  einem  längeren  tiefen  Schlaf und dem  schönsten Traum ihres Lebens  nach etwa einer dreiviertel Stunde. Sie ist glückselig  und will diesen Zustand vollaus  genießen. Als sie sich nach etwa zehn Minuten erhebt und in Richtung ihres Mannes schaut, ist die Decke leer Er wandert über einige hundert Meter entfernt suchend herum. Nach längerem Winken und leisen Rufen, kommt er  dann  näher. Sie geht ihm ein Stück entgegen. Dann fallen sie sich - beide  sichtbar  zufrieden - lachend  in  die  Arme und  tauschen ihre Erfahrungen aus. Die Frau fragt  ihn  lächelnd: "Hast  du  einen Ameisenhügel gefunden?".  Er steigt darauf nicht gleich ein "Wieso, ich  habe ja Schwammerl gesucht ? Trotzdem  werde ich  dir  übermorgen  die Wunder - welt  meiner  kleinen  Koryphäen  zeigen".  Sie  freuen  sich  beide  schon  heute  auf  die  damit  verbundene  "Waldinspirierung"  und  genießen  noch  einige  Zei  das  behagliche  Flair  ihres Rastplatzes,  dann  wandern sie  Hand  in  Hand  zurück. Wie  beim  Hingehen,  nennen sie wie-der  die  ihnen  bekannten  Blumen und Pflanzen am Wegrand mit ihren Namen:  Buschwindrös-chen, Spitzwegerich,  Waldveilchen,  Storchenschnabel,  Schafgarbe..."  Elvira  kennt  auch  eini-ge  herumschwirrende  Schmetterlinge "Tagpfauenauge, Schwalbenschwanz,  Admiral".  Joa-chim will nicht  zurückstehen "Und wie heißt der Gelbe da?",  fragt er  scheinheilig. Darauf sie : "Na, denn kennt doch  jeder Depp, das ist der Zitronenfalter." Joachim verschlägt  es  die Rede. Er überlegt kurz und  kommzum Schluß :  Am besten gar nichts sagen, weil der "Depp"  bin ich jetzt  s o  und  s o  !                                                                                                                                                                       

VOM  WALD HABE ICH  MEHR GERLERNT ALS

AUS ALLEN BÜCHERN (Bernhard v. Clairvaux, Abt u. Mystiker um 1200)