Dornröschenschlaf
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  Vom "Dornröschenschlaf" zum  "Traumland" 

      

IM Waldviertel waren, mangels jeder öffentlichen Infrastruktur, der einheimischen Bevölkerung die  Hände  gebunden und  ihre  ganze  Schaffensfreude konnte kaum Früchte tragen, sodass das  Land  im  vorigen  Jahrhundert schließlich in einen "Dornröschenschlaf" verfiel. Vor allem die Misere auf dem Gebiet des Verkehrswesens und das    F e h l e n   von  Berufsausbildungs-institutionen  hemmte  die  Wirtschaft  sehr stark. Und sogar die Sechziger- bis Neunzigerjahre als  überall im Land Hochkonjunktur herrschte, wurden für das Waldviertel  wieder einmal zur harten  Bewährungsprobe. Denn,  während  woanders eine rege Bautätigkeit bestand und die ökonomische  Entwicklung  zusätzlich aktiv  forciert wurde, herrschte im Waldviertel weiterhin die Stagnation. Die weithin als "sehr verlässlich" bekannten Arbeiter waren zur Abwanderung  gezwungen.  Die  einzig   sarkastische  Reaktion der Verantwortlichen  lautete: "Da  ist  nichts mehr zu machen". (Ein  hoher  Landespolitiker 1987 in dieser trostlosen Ära).  Besonders  stör-te  die verzweifelten  Leute dabei, dass die Verursacher dieses wirtschaftlichen Debakels die Schuld  plötzlich  der "zu wenig  initiativen" Bevölkerung  gaben und  sie  als  "Hinterwäldler"  bezeichneten,  um so von ihren  Schändlichkeiten abzulenken. Derartige  Demütigungen  wa-ren  die  Bewohner  zwar  gewohnt,   bedauerlicherweise  litt   jedoch  unter  diesen Verleum-dungen auch das bis dahin  sehr  gute  und  unverwechselbare  Image  des ganzen  Waldvie-rtels:  Viele  Bewohner  waren  verunsichert  und  enttäuscht.  Aber  sie taten ihre Pflicht und  gingen ihren geradlinigen Weg weiter. Eine nur relativ erfreuliche Genugtuung war für die dif-famierten Menschen  die  Reaktionen aus den Ballungszentren :  Die  Firmenchefs der  Wald-viertler Abwanderer schätzten ihre neuen Mitarbeiter,  nicht  nur  wegen  des  angenehmen,  aufrichtigen  Wesens,  sondern  bezeichneten sie  auch  stets  als  "äußerst  fleißige und ver-lässliche  Arbeiter"  mit  einem  auffallend   "g´sunden"  (und für die Unternehmer nützlichen )  Hausverstand.  

                  PHANTASIE  IST WICHTIGER ALS                                        WISSEN,  DENN  WISSEN IST BEGRENZT  

                                                (EINSTEIN)



Indessen  kamen zu  allen vorhandenen Sorgen,  noch schlimmere dazu :  Die in der Landwirt-schaft  einsetzende  Technisierung führte allmählich zu  einem "agrarischen Strukturwandel",  sodass in diesem Bereich, immer weniger Bauernkinder benötigt  wurden  und  ohne Beschäf-tigung  waren. Auch  zahlreiche  bisher  selbstständige  Landwirte wurden  zu  Nebenerwerbs-bauern.  Alle  suchten  Arbeitsplätze.  Da  in der  Region  nur einige  Produktionsunternehmen  bestanden,  die eine größere  Anzahl  Arbeiter  beschäftigten  konnten,  setzte  die  massivste  Abwanderung  aus  der Gegend in  die Großstädte  und  deren  Umland  ein.  Leider  geschah die mit  dieser  "Landflucht"  verbundene  "Ausdünnung"  des  Gebietes unter Billigung der zu-ständigen  Politiker,  für  die  sich   a u f   d i e s e  W e i s e  die  Schaffung  jeder  Infrastruktur  (Straßen, Bildungseinrichtungen,  Institutionen   und Anlagen...) in der Region erübrigte.  Eine tiefgehende  Verhöhnung  des  Volkes  bildeten in diesen  prekären  Situationen die üblichen  zynischen Kommentare der Veranwortlichen, wie "für die paar Leute "da oben" (das Waldvier- rtel)  rentiert  sich  keine  neue  Straße"  (nachdem man das Gebiet vorher fahrlässig  "entvöl-kert"  hatte)...                                                                                                                                                                                                          V                                                                                                                                                           

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ÜBERDIES  stellten 38 Jahre lang der "Eiserne Vorhang"  (elektrisch geladener Zaun) im Nor-den und   zum Teil  auch  westlich  s o w i e  der  von  Hitler  errichtete  Truppenübungsplatz  Allentsteig - dem ein herrliches Natur-Eldorado  ("Döllersheimer Ländchen")  zum  Opfer  fiel -  brutale   Barrieren  dar  und   bildeten  und  bilden  in  einem  großen Teil  der Terrains  einen  "toten Winkel".  Der abgetrennte Landesteil  wurde so von den außenstehenden, verantwort-lichen  Politikern  "übersehen" bzw. einfach ignoriert":  Das Volk lebte  von der "Hand  in  den  Mund"  und war wieder einmal  ganz auf sich selbst  gestellt.  Die  bereits  reduzierte  Bauern-schaft  kämpfte um  ihre Existenz.  Der wirtschaftliche Rückstand wurde immer größer.              

  V        


            DIE ZEIT IST EINE GROSSE HERRSCHERIN                                                           SIE  REGELT ALLE DINGE 


DOCH   die Menschen  "d a  o b e n"  (im Waldviertel) sind  besonnen und hartnäckig. Sie  ge-ben nicht auf,  gerade weil sie  (ohne viel darüber zu reden!) im Innersten mit ihrer wunderba-ren Heimat tief verbunden sind. Dabei haben sie die  Natur  in  ihrer vielfältigen und urwüch-sigen  Art sowie die   Z e i t   auf  ihrer  Seite. Mit diesen treuen  und  "unfehlbaren" Gefährten konnten  den Leuten persönliche Demütigungen nichts anhaben.  Nur,  wenn  es  um  die Zu-    k u n f t   ihres Lebensraumes  ging,  leisteten  sie  Widerstand : In diesem Fall  unterschätzte  die verantwortungslose Obrigkeit  die  sprichwörtliche Zähigkeit der Bevölkerung.  Wenn sich die  Spitzenpolitiker mit  ihren  Schmähungen  direkt  gegen das Waldviertel wandten und die wunderbare  Region  gezielt  in  Mißkredit  brachten,  um  die  Leute  zu  komprimittieren und   vergrämen  (Die Parole von oben lautete: "Die Gegend  gehört aufgeforstet"),  schalteten  die Bewohner auf  "s t u r" und  harrten, buchstäblich bei  "Wasser und Brot",  erst  recht  in ihrem "urigen Paradies" aus. Dieser Umstand führte  natürlich zu  keiner Verbesserung  für die Men-schen, denn sie waren von da  an  in  ihrer Not und Armut wieder einmal ganz auf sich allein gestellt.  Nebenbei  wurde  mit   diesen  unmenschlichen   Schikanen  durch  die  Verantwort-lichen das persönliche  Selbstwertgefühl  der  Bewohner  total  zerstört. Die Leute fürchteten  die Spitzenpolitiker und waren total eingeschüchtert.      


                    WER KEINE "EIGENE MEINUNG                                               HAT  UND  ÜBER  DEN  STAND                                                DER  DINGE  NICHT IM  BILDE"                                                IST,  DER IST JEDERZEIT  MANI-                                             PULIERBAR - (Aufgabe  der vie-                                    len "Scharlatane" und "Blender"                                             ist es, die Meinung der Anderen                                             für ihre eigennützigen und  hin-                                terhältigen Absichten zu gewin-                            nen)     


HEUTE  sind die angeführten  Demütigungen  Geschichte.  Der  rasante  "Wandel  des  Zeitge-schehens"  brachte  vor  allem  im Waldviertel eine  Änderung der "Sitten" und  Strukturen mit sich. Und auch das von den "Herrschern" brutal zerstörte - aber zu einem gesunden Leben da-zugehörende  Selbstvertrauen - stellte sich allmählich  wieder ein. Einen ganz wertvollen Bau-stein bildete bei dieser rationalen  Selbst(wieder)findung  die - in  schweren  Zeiten bereits  er-erprobte - Gemeinschaft  der Bevölkerung  mit  der  wunderbaren und  souveränen  Natur, die  i n  ihrer  " E i n m a l i g k e i t "   für  die  Einheimischen  ein besonderes  "PRIVILEG"  darstellt. Dabei sind die Waldviertler sicher:  Der Mensch und die Natur werden mit der Zeit  - wenn sie wieder  "im  Lot  ist" -  in  ein  harmonisches  Bündnis  eingehen, das weltweit als einzigartige  SYMBIOSE  von "Mensch + Natur + Zeit"  gilt.                                                                                       Allgemeiner  Fortschritt, welchen  der  Wiederaufbau  nach  dem Krieg mit eine Bau-Hochkon- junktur und allmählichen Wohlstand  im ganzen Land sowie ein, durch neue Technologien ver-ursachter  Strukturwandel  (bei  Mobilität, Technik,  elektronischen Medien usw.), führten auch bei der Waldviertler Bevölkerung zu sozialen und gesellschaftlichen sowie der Zeit  entsprech-enden  Verbesserungen,  die  das unverbrüchliche  Heimatbewußtsein  noch stärkten. Damit  trat  das  patriarchalische  System  immer  mehr in den Hintergrund. Allerdings das wirtschaft-liche Manko und das Debakel auf dem Arbeitsmarkt waren geblieben...                                                  MIT DEM  Fall des  mörderischen  Stacheldrahtzaunes zog  ab 1989  eine  Politik "Der  kleinen  Schritte nach Vorne"  ins  Land.  Und  nunfast  30 Jahre später,  macht  endlich  ein  neues engagiertes Team  von  Politikerinnen und Politikern  auch  in  wirtschaftlicher  Hinsicht  viele  Hoffnungen.  Zur  Zeit  haben  die  Waldviertler  berechtigten  Grund  zum  Optimismus. Vor allem verfügt  die neue Politikergeneration  über wertvolle menschliche  Qualitäten :  Sie  steht  für  ein  "Miteinander"  und  will  niemand  ausgrenzen. ("Es  darf  keinen  benachteilig-ten  Lebensraum  in Niederösterreich geben",  erklärt die neue Landeshauptfrau Mikl-Leitner als sie sich  von  den  desolaten  Verkehrsverhältnissen  und  den  rückständigen Lebenbedin-gungen  im  Waldviertel  überzeugte.) Solche  Worte sind  Balsam  für die viel  jahrzehntelang  ausgegrenzte Bevölkerung.  Im Stillen  hoffen die Leute - und es gibt auch bereits "handfeste Anzei-chen" - dass  irgendwann  die  unerlässliche  Infrastruktur  mit   zeitgemäßen   Straßen bzw. einer Eisenbahn "Freistadt-Zwettl-Krems" sowie  Berufsausbildungsstätten  samt  ande-ren  öffentlichen  Einrichtungen   entstehen,  damit  sich  Arbeitgeberbetriebe  ansiedeln und  die katastrophale Abwanderung ein Ende hat.  D A R U M DREHT SICH  A L L E S  !

ABER, was macht die Leute  gerade  jetzt  so  zuversichtlich ?  Sicher,  weil nun  e r s t m a l s  in  der  Geschichte des  Landesviertels echt  "waldviertelfreundliche"  Politiker mit  einem aus-geprägten Gerechtigkeitssinn  das Sagen  haben  und   damit   erstmals  die  Lebensvisionen  der  einheimischen  Menschen  mit  den  bestehenden   Zukunftsaussichten  übereinstimmen. 

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